Eine empirische Projektmanagement-Methode für strukturierte SAP-Backlogs**
SAP-Projekte und Scrum scheinen auf den ersten Blick nicht zusammenzupassen.
SAP Activate arbeitet mit Phasen, Workstreams und Tasks – Scrum dagegen mit empirischer Planung, Product Backlogs und inkrementeller Lieferung.
Dieser Artikel zeigt eine praxisbewährte Methode, wie sich SAP Activate strukturiert in Scrum integrieren lässt, ohne Scrum zu verwässern oder SAP-Governance zu verlieren.
Der Schlüssel liegt in einem klaren Mapping auf Backlog-Artefakte.
Warum klassische SAP-Agilität oft scheitert
Viele SAP-Projekte scheitern nicht an Scrum – sondern an falschen Übersetzungen:
- SAP-Phasen werden zu Sprints erklärt
- SAP-Tasks landen ungefiltert als Jira-Tasks
- Workstreams werden zu Team-Silos
- Wert entsteht erst spät
Das Ergebnis:
- kein echtes Product Backlog
- keine Priorisierung nach Business Value
- hohe Abhängigkeiten
- späte Überraschungen
Grundidee der Methode
SAP Activate strukturiert das „Warum & Wann“,
Scrum steuert das „Was & Wie“.
Diese Methode verbindet beide Welten konsequent über das Backlog.
Das zentrale Mapping im Überblick
| SAP Activate | Scrum / Jira |
|---|---|
| Phase | Initiative |
| Workstream | Epic |
| Task | Story oder Task |
| Deliverable | Inkrement |
Damit bleibt:
- Scrum empirisch
- SAP steuerbar
- das Backlog klar strukturiert
1. SAP Activate Phasen → Initiatives
SAP-Phasen sind strategische Zeit- und Zielräume – genau das leistet eine Initiative im Jira-Portfolio.
Mapping der Phasen
| SAP Activate Phase | Initiative im Backlog |
|---|---|
| Prepare | Initiative: Projekt vorbereiten |
| Explore | Initiative: Lösung & Prozesse definieren |
| Realize | Initiative: Lösung inkrementell umsetzen |
| Deploy | Initiative: Go-Live & Transition |
| Run | Initiative: Betrieb & Optimierung |
Wichtig:
Initiatives laufen über mehrere Sprints und enthalten keine operative Arbeit, sondern bündeln Epics.
2. SAP Workstreams → Epics (phasenübergreifend)
Workstreams laufen durch alle Phasen – deshalb dürfen sie keine Initiatives sein.
Die saubere Ebene ist das Epic.
Workstreams als langlebige Epics
| SAP Workstream | Epic im Backlog |
|---|---|
| Design & Configuration | Solution / Process Epic |
| Integration | Integration Epic |
| Data Management | Data Epic |
| Testing | Quality Epic |
| Technical Architecture & Infra | Platform Epic |
| Enablement & Adoption | Enablement Epic |
| Project Management | Governance Epic |
Ein Epic kann gleichzeitig in mehreren Initiatives aktiv sein.
3. SAP Tasks → Scrum Stories & Tasks
SAP-Tasks beschreiben Tätigkeiten – Scrum braucht Wert.
Entscheidungsregel
| SAP Task Charakter | Scrum Artefakt |
|---|---|
| Liefert fachlichen / technischen Wert | Story |
| Reine Umsetzung | Task |
| Analyse mit Entscheidungsoutput | Story |
| Unterstützende Arbeit | Task |
Beispiel: Design & Configuration
SAP Task: Define To-Be Business Process
Scrum Story:
Als Fachbereich
möchte ich einen definierten To-Be-Prozess für Order-to-Cash,
damit das System zielgerichtet konfiguriert werden kann.
Typische Tasks:
- Workshop vorbereiten
- Prozess modellieren
- Review durchführen
4. Definition of Ready & Done (SAP-fähig)
Definition of Ready (Story-Ebene)
- Initiative zugeordnet
- Epic (Workstream) zugeordnet
- Akzeptanzkriterien definiert
- Abhängigkeiten transparent
- Fachlicher Owner benannt
Definition of Done
- Fachlich umgesetzt
- Technisch umgesetzt
- Getestet
- Dokumentiert (falls nötig)
- Abgenommen
5. End-to-End Beispiel-Backlog
Initiative: Explore – Lösung & Prozesse definieren
Epics:
- Design & Configuration
- Integration
- Data Management
- Architecture
- Testing
Stories (Auszug):
- To-Be Prozess definiert
- Integrationsszenarien dokumentiert
- Datenobjekte festgelegt
- Systemlandschaft definiert
Ergebnis von Explore ist kein fertiges System,
sondern ein priorisiertes, umsetzbares Backlog.
6. Governance ohne Scrum zu brechen
| Ebene | Steuerung |
|---|---|
| Initiative | Steering / Review |
| Epic | Backlog Refinement |
| Story | Sprint Review |
| Task | Daily Scrum |
Keine Stage-Gates, sondern transparente Reviews.
Typische Anti-Patterns (und wie man sie vermeidet)
| Anti-Pattern | Besser |
|---|---|
| SAP-Phasen = Sprints | Phasen = Initiatives |
| SAP-Tasks = Jira-Tasks | Tasks → Stories |
| Workstreams = Teams | Workstreams = Epics |
| Testing am Ende | Testing als Epic |
| PM priorisiert Backlog | PO priorisiert nach Wert |
Fazit: SAP Activate & Scrum sind kompatibel
Diese Methode zeigt, dass SAP Activate und Scrum keine Gegensätze sind.
Richtig gemappt, entsteht ein strukturierter, transparenter und empirischer Ansatz,
der SAP-Governance respektiert und Scrum wirksam macht.
Der Schlüssel liegt nicht in neuen Frameworks,
sondern in der konsequenten Übersetzung von Arbeit in Wert.
© ScrumExzellenz.de – Adam M. Skafi
SAP & Scrum Berater

